Danke: Die Veranstaltung „Plastic Planet” wurde gemeinsam mit dem Deutschen Designer Club e.V. organisiert und durchgeführt.

„Der ‚Planet‘ ist ziemlich giftig.” Umweltanalytiker Kurt Scheidl
im Gespräch mit Regisseur Werner Boote (rechts).
Still „Plastic Planet”, © www.thomaskirschner.com

„Jährlich werden 240.000.000 Tonnen Plastik produziert.“
Still „Plastic Planet”, © www.thomaskirschner.com

„Die Menge an Plastik, die in den letzten 100 Jahren produziert wurde, reicht aus, um die Erde sechs Mal einzupacken.”
Still „Plastic Planet”, © www.thomaskirschner.com

USA: „And this is all the plastic shit I've found in my house.“
Still „Plastic Planet”, © www.thomaskirschner.com

Japan: „Ich hätte nicht gedacht, dass wir so viel Plastik
im Haus haben. Ich bin überrascht.“
Still „Plastic Planet”, © www.thomaskirschner.com

Indien, Kolkata: „Wir wollen dieses ganze Plastik nicht.“
Still „Plastic Planet”, © www.thomaskirschner.com

Alternative im Alltag: Biopolyester-Produkte „EcoGen”: „Biobasierter” und biologisch abbaubarer Kunststoff, dessen Polymer (PHBV) aus fermentierter Maisstärke gewonnen wird.
© www.lilligreenshop.de

Alternative im Sommer: Biologisch abbaubares Grillbesteck aus Kalkstein, Zellulose und weiteren nachwachsenden Rohstoffen.
© www.lilligreenshop.de

Alternative für das Buffet: Geschmacksneutral, wasserdicht, hitzebeständig und biologisch abbaubar: Party-Set aus abgeworfenen Palmblättern der Adaka-Nusspalme.
© www.lilligreenshop.de

Lounge-Chair „AufJedenFalz” von Mehrwerk Designlabor – Papierwabe im Sandwichverbund mit armierender Naturfaser.
© www.mehrwerkdesignlabor.de

22.04.2010

Plastic Planet – Aufbruch zu neuen Materialien


# Plastic Planet

Was / Wann / Wo

Filmvorführung / Vortrag / Ausstellung

22. April 2010

Museum für
Angewandte Kunst
Frankfurt

Überblick

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde ein Verfahren entwickelt, vollsynthetischen Kunststoff industriell zu produzieren – eine Revolution. Werner Boote, österreichischer Dokumentarfilmer, folgt in seinem 2009 uraufgeführten Kinofilm „Plastic Planet” den makroskopischen und mikroskopischen Spuren, die der „revolutionäre Werkstoff” seitdem hinterlässt.

Steffen W. Kuhn zeigte in einem komplementären Vortrag zum Thema „Biowerkstoffe”, welche alternativen Materialen heute bereits als Substitute für „klassische”, petrochemische Kunststoffe eingesetzt werden können und erstellte eine Roadmap zur Etablierung der neuen Technologien und Produkte.

Referenten

Steffen W. Kuhn studierte Kunststofftechnik an der FH Darmstadt und befasst sich seit knapp 4 Jahren mit Biowerkstoffen. Er ist Mitbegründer der „Quality Network Group”, einem „Netzwerk-Unternehmen” für Entwicklung, Import, Vertrieb und Produktion von ökologisch nachhaltigen Kunststoff-Substituten.

Kooperationspartner

Die Veranstaltung wurde gemeinsam mit dem Deutschen Designer Club e.V. organisiert und durchgeführt.

Aussteller

mehrwerkdesignlabor.de
lilligreenshop.de

Links

plastic-planet.de
plastic-planet.at
yasssu.com/plasticplanet
chrisjordan.com/midway
wikipedia.org/kunststoff
unep.org/marinelitter

Plastic Planet –
Leben mit und ohne Kunststoffe

Wie notwendig der ökologische Wandel und der freiwillig eingeleitete Austritt aus dem Ölzeitalter ist, verdeutlichte das come closer / sustainable designforum unter dem Titel „Plastic Planet – Aufbruch zu neuen Materialien” in Vortrag, Film und Ausstellung.

Die „Headline” der Veranstaltung war dem gleichnamigen Dokumentarfilm des Regisseurs Werner Boote entliehen, der an diesem Abend im Museum für Angewandte Kunst Frankfurt gezeigt wurde. Die Ausblicke, die die „Subline” versprach, füllte Steffen W. Kuhn, Ingenieur für Kunststofftechnik mit dem Schwerpunkt „Biowerkstoffe”, in einem halbstündigen Vortrag mit Daten und Fakten. Designobjekte von „mehrwerk designlabor” und nachhaltige Produkte des „Lilly Green Shop” zeigten in der parallelen Ausstellung, dass das Zusammenspiel von Design und Nachhaltigkeit an Gegenständen des alltäglichen Gebrauchs wie Geschirr, Kleidung, Möbel und Werkzeug zu ästhetisch und ökologisch überzeugenden Lösungen führt.

Bootes Dokumentation „Plastic Planet”, uraufgeführt im September 2009 in Wien und seit einiger Zeit auch in deutschen Kinos zu sehen, ist Spurensuche und essayistische Kulturgeschichte des vollsynthetischen Plastik. Sie führt in einer makro- und mikroskopischen „tour de force” über Kontinente und Weltmeere bis hinein in tote tierische und lebende menschliche Körper. Die suggestive Eingangsformel des Films: „Plastik ist schön. Plastik ist praktisch. Plastik ist praktisch überall.” umreißt prägnant die „Zone”, in der der Film sich bewegt: Zwischen Kindheitserinnerung, kunterbuntem Spielzeug, faszinierenden Designlösungen, sinn- und hoffnungslosem Trash und dem Schrecken einer auf Jahrhunderte nicht rückgängig zu machenden Ubiquität des „revolutionären Werkstoffes”.

„The Great Pacific Garbage Patch” oder „marine debris” bilden dabei einen Aspekt. Das in Dornenbüschen nordafrikanischer Wüsten verfangene Plastik einen weiteren. Bisphenol A in unseren Blutbahnen einen unsichtbaren dritten. Visuell bedrückend wird der Film, wo er in Stills, die wir auch aus Chris Jordans beinahe zeitgleich veröffentlichtem fotografischem Projekt „Midway: Message from the Gyre” kennen, verendete Albatross-Junge zeigt, deren Verwesungsprozess nur eines unberührt lässt: den Mageninhalt – Plastikverschlüsse, Plastikfeuerzeuge, Plastikkappen. Was mit „Bakelit” zu Beginn des 20. Jahrhunderts begann – der Siegeszug der vollsynthetisch aus Erdöl hergestellten Kunststoffe –, findet in diesen Bildern eine ikonografische Abbreviation, die eindringlicher ausfällt als alle Zahlen und Interviews.

Den Weg des Aufbruches zu neuen Materialien zeichnete Steffen W. Kuhn in seinem Vortrag vor. Ein Großteil der heute verwendeten petrochemischen Polymere könne bereits durch Biopolymere ersetzt werden. Kuhn nennt zwei zentrale Motive für eine Substituierung vollsynthetischen Plastiks: Zum einen die Schonung der eminent wichtigen Ressource Rohöl, zum anderen die in „Plastic Planet” dokumentierte „Vermüllung” unseres Planeten durch „überflüssige” Plastikprodukte. Seine Diagnose: Es sind nicht so sehr technologische bzw. Werkstoff-Alternativen, die fehlen, sondern neue Angebot-/Nachfragemechanismen zwischen produzierender Industrie, Handel und Verbraucher. Der Grund dafür sei oft schlichte Unkenntnis. Eine der entscheidenden Maßnahmen für eine ökologische Wende stelle darum die Kommunikation dar. Wenn Verbraucher darüber informiert sind, was möglich ist, können und werden sie mittels Kaufoptionen auf den Handel Druck ausüben.

Film / Vortrag / Ausstellung

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